2003-04-30: “Internationale Highlights von 1998 bis 2000“


Willi Balanjuk stellte jeweils zwei interessante Weine aus seinem Privatkeller zuerst mit verdecktem Etikett vor und besprach, verkostete und beurteilte die Weine mit den Teilnehmern. Dann ließ er die Anwesenden den Wein nach der Herkunft und dem Weingut raten und deckte dann erst die Identität des Weines auf. Während dieser Blindverkostung gab der Vortragende in seiner bescheidenen und trotz des riesigen Fachwissens einfach verständlichen Art noch fundierte Fachkommentare, Insider-Informationen und praktische Tipps an die gespannt zuhörenden Teilnehmer weiter. Bei den ersten beiden Weinen, dabei handelte es sich um • A Grüner Veltliner, Smaragd 2001, Riede Hochrain, von Rudi Pichler und • B Grüner Veltliner, Smaragd 2001, Riede Kellerberg, von F.X. Pichler, zeigte sich in der Blindverkostung: zu A: Der Wein offenbarte sich dem Auge kristallklar in hellgelb mit zarten grünen Aspekten./ Die Blume war zuerst etwas verhalten, der erste Eindruck ließ dann aber sofort an einen Grünen Veltliner denken und zeigte eine fruchtige Säure und feine Zitrone./ Im Mund erschien eine wunderbare Fülle bei mittlerer Säure, leicht salzig und leicht alkoholisch, und ein enorm langer Abgang. Zu B: Bereits eine reife Farbe in hellem Goldgelb;/ schon eine reifere Blume, typischer Grüner Veltliner mit leichten Anklängen an Botrytis, und leichte Apfeltöne;/ dichte Fülle mit wesentlich weiterer Reife und geringerer Säure, beginnend morbide Tertiäraromen, langer Abgang. Nach dem Aufdecken erläuterte der Referent, dass beide Weine stahltankvergoren waren und bis zur Flaschenreife in großen (Holz)Fässern gereift waren. Nach der Besprechung dieser beiden Weine warf der Referent in einem großen Plädoyer für den Weißwein die nicht unberechtigte Frage auf, warum in Österreich die Weißweine gegenüber den Rotweinen (auch preislich) eher gering geschätzt werden. Für den Produzenten (Winzer) ist der sachliche und personelle Aufwand - mit Ausnahme der Vergärung auf den Schalen – im Wesentlichen der gleiche. Als nächstes kamen drei Weine zur Blindverkostung: • A Saffredi 1998, aus der Maremma, Cabernet Sauvignon mit etwas Sangiovese • B1 Fontalloro 1990, Felsina, reiner Sangiovese • B2 Fontalloro 1988, Felsina, reiner Sangiovese Zu A: dichtes kräftiges Rot/ sehr intensive Frucht nach Kirschen und Zwetschken, elegante Röstaromen;/ füllig-behäbige Frucht nach süßen reifen Kirschen mit Schokolade (Mon Cheri), kräftiges Tanningerüst Zu B1: bereits reife Farbe mit Orange/ Reifetöne, leicht Aceton, weniger Frucht- und bereits Tertiäraromen;/ überreifer Wein, morbid Zu B2: bereits reife Farbe mit Orange/ Reifetöne, leicht Aceton, noch etwas fülliger und weiniger als B1,/ überreifer Wein, jedoch noch mehr Körper als B1, malzig, betonte Säure, typisch Sangiovese Nach dem Aufdecken und Besprechen der Weine bearbeitete der Referent das Thema „Flaschenunterschiede“ (das betrifft die Frage, ab wann können Flaschen mit dem gleichen Wein desselben Jahrganges und derselben Füllung unterschiedlich werden). Er kam zu dem Ergebnis, dass Flaschenunterschiede bei Rotweinen nach 7 bis 10 Jahren auftreten können. Weißweine sind durch das Vorkommen von Botrytis noch viel unberechenbarer. Das nächste Paar waren zwei klassifizierte Weine aus Bordeaux: • A: Chateau Grand Mayne 1995, Saint Emilion Grand Cru Classe (65% Merlot) • B: Chateau Leoville Poyferre 1999, 2er Grand Cru Classe 1855, (65-70% CS, 30% M) Zu A: kräftiges Purpurrot mit dunklem Kern/ schöne dichte dunkle Beerenfrucht mit herber Schokolade, zart rauchig/ sehr schön und füllig-eleganter Aromatik mit feingeschliffenen Tanninen – sehr erfreulich! Zu B: kräftiges Purpurrot mit dunklem Kern/ feine sehr duftige Noten nach reifen Waldbeeren und schwarzen Johannisbeeren mit zarter Minze und mit schönen Röstaromen (Vanille Schokolade Cappuccino)/ samtige Fülle mit langem fruchtigen Abgang, präsente Tannine toll in der Frucht eingebunden – sehr erfreulich! – Beide Weine haben jetzt ihren 1. Höhepunkt! Nach diesen Weinen geht Balanjuk auf die Qualität der Jahrgänge ein: In Bordeaux war 1996 ein typisches Cabernet-Jahr, 1997,98,99,2000,2001 waren Merlot-Jahre, während 2002 wieder ein Cabernet-Jahr war. Dann gibt der Fachmann Tips für den Weineinkauf: Man sollte sich von einem Wein (z.B. den gerade gekosteten Bordeaux`s) mindestens 3 bis 4 oder mehr Flaschen besorgen. Besser sollte man weniger verschiedene Weine, dafür aber von der ausgewählten Weinen eine ausreichende Menge kaufen. Nun folgten zwei rote Burgunder: • A: Gefrey Chambertin 1999, 1er Cru, Clos Saint-Jacques, Domaine Esmonin Sylvie • B: Echezeaux 2000, Grand Cru, Domaine Maugnaret-Gibourg Zu A: kräftiges Purpur mit dichtem Kern;/ anfangs etwas scharf, dann rote Beeren (z.B. rote Johannisbeeren mit Erdbeeren),/ die Fruchtaromen sind im Vordergrund, dann späte Burgunder-Tannine Zu B: helleres Purpur mit dunklem Kern,/ anfangs etwas scharf, dann rotbeerig, zarte Röstaromen, Himbeeren, Lakritze/ Fruchtaromatik im Vordergrund, dann Burgundertannine Der Referent doziert zu den Burgunder-Jahrgängen, dass die letzten großen Jahre 1996 und 1999 waren, während 2000 ein „mindergelobtes“ Jahr war, in dem leicht chabtalisiert werden musste, das aber ideal für die Gastronomie ist, da die Burgunder bereits jetzt ideal zu trinken sind. Als nächstes wurde nur ein Wein ausgeschenkt: • Cornas 95, ein reinsortiger Syrah Mittleres rot mit dichter werdendem Kern,/ Medizinalton, Jod, animalisch, abgehangenes Wild, schwarze Oliven, Lavendel, wenig präzise Frucht;/ kräftig, Komplexität, ausgewogene Textur, die präsente Säure wird abgelöst von ziselierten Tanninen Balanjuk zeigt auf, dass dieser Wein jetzt seinem Höhepunkt zustrebt „und noch weitere 5 Jahre Spaß machen wird“. Nun bekamen wir zwei Weine mit 13,5 Volumsprozent Alkohol: • A: Chateauneuf-de-Pape 2000, Domaine du Pegau • B: Chateauneuf-de-Pape 2000, Chateau de Beaucastel Zu A: Mitteldichte Farbe,/ Orangen, Zitronen, Weichseln,/eleganter, leicht alkohollastiger („schwerer“) Rotwein mit Früchten, Säure und feingliedrigen Tanninen Zu B: Mitteldichtes Rot,/ duftige Sauerkirschen,/ markante nach Weichseln ausgerichtete Säure, ausgeprägte Weichselfrucht, elegant Der Referent erinnert, dass Chateauneuf-de-Pape aus 13 Rebsorten (Grenage, Syrah, Mauvedre,...)gekeltert werden darf, die am meisten überwiegende Rebe jedoch Grenage ist. 2000 war ein exzellentes Jahr, 2001 ist noch preislich günstiger, aber auch ein großartiges Jahr. Zu den großen Meinungsmachern in Sachen Wein gehört sicherlich der Amerikaner Parker. Dieser liebe jedoch vor allem „holzige Powerweine“. Trotzdem habe Parker ein sehr gutes und klares Beurteilungsvermögen und „sei schon Okey“. Die Verkostung schließt ein österreichischer Süßwein ab: • Eiswein Scheurebe 1995 von Leberl Klares goldgelb;/ Feine süße aromatische Früchte, aber auch getrocknete Früchte (Marillen, Äpfel, Bananen, Zwetschken, Feigen, Rosinen) sowie Lakritze, und ein zarter rauchiger Hauch,/ konzentrierte Fruchtsüße mit zitroniger Säure aufgeschlossen.


„Süßweine sind nicht allein für Erbtanten, sondern sind zu trinken“ erinnert der Referent. Süßweine leiden darunter, dass sie in ihrer Jugend teils pappig süß wirken, jedoch nach 10, 15, oder 20 Jahren lebendig, frisch und fruchtig wirken. Zum Abschluß gab Balanjuk noch einige Geheimtips für Weinsammler: 2000 Portwein, Champagner 2001 Chateauneuf-de-Pape Österreich: 2001 St.Laurent, Zweigelt 2002 Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon. So war diese Veranstaltung nicht nur eine Verkostung und Beurteilung exzellenter, eleganter Weine sondern auch eine unaufdringlich unbemerkte Lehrstunde über Wein des großartigen Weinfachmannes Willi Balanjuk für Anfänger und Fortgeschrittene. Dr. Rudisch Johannes